Die größten Freibeuter der Geschichte - Transcript

Piraten: der Fluch der Weltmeere

Edle Freibeuter oder blutrünstiger Killer?

Auf Drakes Kopf waren 20.000 Dukaten ausgesetzt, so viel wie auf Osama bin Laden.

Seeräuberromantik á la Hollywood.

Die konnten nie genug kriegen

Die versoffen und verhurten ihr gesamtes Vermögen, das sie irgendwo ergaunert hatten.

Was ist Wahrheit? Was Legende?

Da kann man nicht mit Robin Hood vergleichen, einfach deswegen, weil sie nicht für die Armen gesammelt haben.

Auch Frauen raubten und plünderten.

Pirat: die großten Freibeuter der Geschichte.

Er war der wahre Fluch der Karibik: Blackbeard.

Und so stellt ihn sich Hollywood vor.

Bis heute liefert seine Geschichte den Stoff für die große Leinwand.

Pflegt jetzt ein Prototyp, denen wir uns heute immer noch als Piraten vorstellen.

Mit bürgerlichem Namen heißt der Edward Teach, oder Thatch, und stammt wahrscheinlich aus der englischen Hafenstadt Bristol.

Als Blackbeard, Schwarz-Bart geht er in die Geschichte ein.

Dieser Kerl war ein guter Seemann.

Kühn und wagemutig bis zum letzten, der nicht davor zurückschreckte, auch die schlimmste Bosheit, die man sich denken kann, ins Werk zu setzen.

Das schreibt Captain Charles Johnson sechs Jahre nach dem Tod des Piraten.

Fast alles was wie über Blackbeard wissen stammt aus seiner Feder.

Edward Teach wird 1713 Freibeuter.

Wie tausende britische Matrosen kommt er als Kaperfahrer in die neue Welt.

Macht im Auftrag der englischen Krone Jagd auf spanische Handelsschiffe, die Gold und Silber nach Europa bringen.

Als jedoch England und Spanien Frieden schließen, ist es vorbei mit dem Rauben im Dienste Ihrer Majestät.

Die englischen Freibeuter werden arbeitslos.

Edward Teach macht sich selbstständig und wird Pirat.

Blackbeard war eine derjenigen, die auf eigene Faust jetzt Mannschaften zusammen sammelten und sagten:

"Also was wir gelernt haben, unter legalen Bedingungen, das können wir auch unter illegalen Bedingungen weiterführen".

"Und wir kommen schnell zu Reichtum, wenn wir tatsächlich so weitermachen".

Von den unzugänglichen Gewässer North Carolina South macht er Jagd auf Schiffe.

Einen königlichen Kaperbrief hat er nicht mehr dafür, aber das Wohlwollen mancher Gouverneure.

Für die Städte North Carolina ist der Handel mit Piratenbeute ein profitables Geschäft.

Woher die Ware stammt ist dabei Nebensache.

Blackbeard gilt als jähzornig und grausam.

Beim Kartenspiel schießt er einem seiner Kanoniere ins Knie.

"Damit ihr nicht vergesst, wer ich bin".

Ob Blackbeard wirklich so grausam war, das ist es natürlich nicht eindeutig festzulegen.

Sicherlich kann man vermuten, dass er als dieser Anführer, der er ja heute noch gilt.

Und mit so einer großen Piraten Mannschaft unter sich, wo er sehr starken Charakter gehabt haben muss.

Sein größter Fang gelingt ihm 1717.

In der Bucht von Beaufort kapert Blackbeard das französische Sklavenschiff "Concorde".

Macht es zu seinem Flaggschiff und taufte es "Queen Anne's Revenge".

Eine Fleute. 40 Kanonen und 300 Mann Besatzung macht sie zum mächtigsten Kaperschiff ihrer Zeit.

In nur sieben Monaten bringen Blackbirds Leute 23 Handelsschiffe auf.

Von der "Revenge" aus kommandiert er eine ganze Seeräuber Flotte.

Was hält die bunte Truppen zusammen?

Da gab es nichts verbindende, auch keine verbindende nationale Ziel oder ähnliches.

Nicht mal die Sprache war verbindende, sondern verbindende war ganz alleine der Erfolg.

Die Hoffnung auf schnellen Reichtum schweißt zusammen.

Mehrere hundert Mann hören auf Blackbeards Befehl.

Ihre Loyalität beruht einzig auf dem Erfolg des Kapitäns.

Und oft reichen schon sein schlechter Ruf und die Piratenflagge, und der Gegner streicht die Segel.

Wenn ein Kapitän diese Flagge von Blackbeard sah dann, wusste man:

"Oh Gott, jetzt hat meine letzte Stunde geschlagen".

Und von daher gesehen war da die Devise da: "Ergeben wir uns lieber, dann haben wir wenigstens eine Chance zu überleben."

Blutige Schlachten sind da eher die Ausnahme.

Sein grausamer Ruf hilft Opfer zu vermeiden.

Blackbeard inszeniert sich bewusst als dämonische Gestalt.

Der schwarze Bart mit wilden Zöpfen, sechs Pistolen am Gürtel, und brennende Lunten am Hut.

"Die Wut der Hölle hätte nicht fürchterlicher aussehen können", schreibt ein Beobachter.

Der Schrecken der Meere ist ein Junkie.

Ein Trinker, süchtig nach Laudanum, in Alkohol gelöstem Opium, und er leidet unter Selbstüberschätzung.

1718 begeht er den entscheidenden Fehler.

Vier Wochen lang belagert Blackbeard Flotte die Hafenstadt Charleston in South Carolina für eine Kiste Arzneimittel.

Zu viel für den britischen Gouverneur.

Er setzt auf Blackbeards Kopf eine hohe Belohnung aus.

Doch der Pirat macht weiter.

Blackbeard ist eine typische Charakter damaligen Zeit.

Die konnten nie genug Kriegen, die versoffen und verhurten ihr gesamtes Vermögen, das sie irgendwo ergaunert hatten, und so mussten sie immer weitermachen.

Bis zum 22 November 1718. An diesem Tag locken zwei britische Kriegsschiffe den Piratenkönig in einen Hinterhalt.

Edward Teach, alias Blackbeard, stirbt im Kampf.

Ein Menetekel für das angeblich Goldene Zeitalter der Piraten in der Karibik.

Blackbeards Kopf wird zur Schau gestellt am Bugspriet des Schiffs, das ihnen zur Strecke gebracht hat.

Unter den Piraten gab es auch Frauen Mary Read und Anne Bonny.

Jamaika Karibik 1720. Ein Piratenkapitän am Galgen, keine Seltenheit damals in den englischen Kolonien.

Eines aber ist ungewöhnlich und sorgt für Empörung.

Zur Mannschaft des Kapitäns gehören zwei Frauen.

Anne Bonny und Mary Read. Auch sie sind wegen Piraterie angeklagt.

Der Prozess ist gut dokumentiert.

Aussagen von Mitgefangenen belasten die beiden Frauen schwer.

"Sie hatten das Zeug zu Anführerinnen und hätten uns dazu anstacheln können, der ganzen Welt den Kampf anzusagen".

Ihr Prozess macht Bonny und Read zur Legende.

Im achtzehnten Jahrhundert ist die Seefahrt eigentlich noch reine Männersache.

In allen Statuten, die man unterschreiben musste, wenn man sozusagen anheuerte stand, immer gleich als Punkt 3 auf, dass Frauen nicht mitgebracht werden dürften.

Und Frauen an Bord sowieso verboten waren.

In der Karibik gelten andere Regeln.

Die Piratinnen Mary und Anne setzten sich durch.

Ihr Ziel sind die großen Schifffahrtsrouten der Kolonialmächte.

Die vielen damals noch unbewohnten Inseln der Karibik bieten sicheren Unterschlupf.

Hinzu kam natürlich auch eine Natur Gegebenheit, nämlich die Passate trieben tatsächlich die Schiffe alle mal in diese Einfallstor Karibik hinein.

So dass man erst mal die karibischen Insel überwinden musste, um dann das Festland von Lateinamerika betreten zu können.

Die Hauptstadt der Freibeuter ist Nassau auf New Providence, einer insel der Bahamas.

Im Hafen liegen zeitweise bis zu 40 Piratenschiffe, die Seeräuber regieren sich selbst, und Britanniens Gouverneur stellt großzügig Kaperbriefe aus.

In der Piraten Stadt Nassau herrschen raue Sitten.

Die Insel zieht Mittellose und Abenteurer und solche, die mit dem Gesetz ihrer Heimat in Konflikt stehen.

Unter ihnen Anne Bonny, die uneheliche Tochter eines irischen Anwalts.

Mit einem Seemann ist sie von Zuhause durchgebrannt.

In Nassau lernt sie den Piraten Jack Rackam kennen, einen Halsabschneider mit Vorliebe für Rum und schöne Kleider.

Als er vermutlich als Lustknabe eines anderen Kapitäns in die neue Welt gekommen ist, stört Anne nicht.

Es ist der Beginn eines geschäftlichen und erotischen Abenteuers.

Im Hafen stehen die beiden ein Schiff und rauben fortan gemeinsam.

Ihre "William", eines Slup oder auch Schaluppe, ist das ideale Piratenschiff für die Karibik.

Sie bietet zwar nur Platz für 25 Mann und zwölf Kanonen.

Dafür ist sie schnell und hat nur geringen Tiefgang.

Ein großer Vorteil gegenüber schwerer bewaffneten Kriegsschiffen.

Etwa zur gleichen Zeit kommt auch Mary Read in die Karibik als Matrose an Bord eines holländischen Handelsschiffs, in Männerkleidern natürlich.

Damals keine seltene Methode, dem strengen Rollenbild der Zeit zu entfliehen.

Bonny und Read haben die herausragenden Persönlichkeiten, die immer wieder in der Geschichtsschreibung auftauchen.

Aber dieses Phänomen der Piratinnen gab es viel öfter.

Genaue Zahlen sind nicht bekannt.

Fest steht: es sind vor allem mittellose junge Frauen, wie Mary, die als Männer verkleidet zur Seefahren.

Ihr Anführer ist Jack Rackam.

Der Piratenkapitän hofft auf reiche Beute und auf neue Männer für seine Crew.

Doch nur einer der Matrosen an Bord spricht englisch.

Anne Bonny wird auf den "zarten Jüngling" aufmerksam, der sich den Piraten anschließen will.

Es ist Mary Read.

Die beiden Frauen freunden sich an.

Wie nah sie sich wirklich kommen, darüber wird bis heute gern spekuliert.

Die Gerichtsakten gäben keinen Aufschluss.

Sicher ist: beide tragen an Bord Männerkleidung und gelten als gleichberechtigte Besatzungsmitglieder.

Sie haben ihren eigenen Stücken dort angeheuert,

und haben aus eigenen Stücken tatsächlich des Räuber Dasein,

um in einem bürgerlichen Dasein vorgezogen zuhause in Devonshire am Herd,

und sozusagen alle an der Wiege der Kinder.

Angeblich sticht Anne einmal einen Piraten ein Messer ins Herz, der dagegen protestiert hat, dass Frauen an Bord sind.

Als captain Rackham zusehends den Rum verfällt, übernehmen Anne und Mary das Kommando.

Oktober 1720. Auf einem Schoner erbeutet die Mannschaft Tabak und Piment.

Keine große Beute, aber die letzte ihrer Piratenkarriere.

Längst sind Kopfgeldjäger auf die "William" angesetzt.

Vor der Westküste Jamaikas schlagen sie zu.

Es kommt zum Kampf.

Die beiden Frauen waren die Triebfeder des Ganzen.

Die haben gekämpft wie die jenen, und gab es keine Aussicht mehr auf Erfolg,

haben sie immer wieder ihre Mannschaft angespornt.

Sie sollten doch endlich kämpfen und sind mit der Waffe, dann von dem ehemaligen Piratenschiff, den Engländern übergeben worden.

Einen Monat später Jack Rackam und zehn Besatzungsmitglieder sterben durch den Strang.

ein Messer stichen - stab

zuschlagen - strike

Triebfeder - driving force

anspornen - encourage

übergeben - hand over

Ihre Leichen werden zur Abschreckung in eisene Käfige gesteckt.

Auch Annd und Mary droht der Galgen.

Sie verweigern die Aussage, zeigen keine Reue.

Das Leben rettet den beiden am Ende ein süßes Geheimnis.

Am letzten Tag als ihr Prozess war, haben sie dann tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes sich offenbart.

Als das Todesurteil gesprochen war, dagegen war gar nichts einzuwenden, denn sie hatten ja genau diese Tatbestände alle erfüllt, haben sie gesagt: "Wir sind schwanger."

Nach englischem Recht bewahrt sie das vor dem Henker.

Ob sich die Richter auch vom Liebreiz der Angeklagten beeindrucken ließen,

oder Anne und Mary ihr erbe Erscheinungen waren, wie auf diesem Stich, muss offen bleiben.

Genauso wie die Frage, was aus ihnen wurde und aus den Kindern, die sie in sich trugen.

150 Jahre früher er war einer der ersten Piraten in der Karibik.

Seine Auftraggeberin ist eine mächtige Frau.

Man nennt ihn auch den Freibeuter der englischen Königin: Francis Drake.

Zunächst auf eigene Faust machte Engländer die Karibik unsicher,

plündert spanische Schiffe gierig nach Silber und Gold.

Vor Panama macht er 1573 besonders reiche Beute.

Mehrere tonnen Gold, Silber, Edelsteinen nimmt er den Spanier ab.

Ein ungeheurer Affront für die damalige Weltmacht Nummer Eins.

Der spanische König fordert Drakes Kopf.

Philip der Zweite will Drake unbedingt tot sehen.

Er setzt 20.000 Dukaten als Belohnung aus.

Eine enorme Summe vergleichbar mit dem Kopfgeld für Bin Laden nach 9/11.

In England ist man gegen die Seeräuberei.

Doch insgeheim freut sich Königin Elizabeth die Erste über die Erfolge englischer Piraten.

Mit ihrer Hilfe will sie Spaniens Vormacht brechen.

Und Männer wie Drake kommen ihr gerade recht.

Die englische Politik und Elisabeth der Ersten war zweigestaltig, doppelgesichtig.

Auf der einen Seite mit Philipp den Zweiten also dem spanischen König versuchen die Konflikte und Spannungen ein wenig zu dämpfen, also auf Diplomatie zu machen.

Auf der anderen Seite aber, unter der Linie einer offiziellen Auseinandersetzung wurden tatsächlich jetzt geduldete Piraten eingesetzt.

Drake hat als junger Mann mit 25 Erfahrungen gemacht, die ihn für sein Leben prägen.

1568 hatte ihn ein Sturm in den kleinen von Hafen San Juan de Ulua gezwungen.

Trotz vereinbarter Waffenruhe greifen die Spanier an.

Nur eine Handvoll von Drakes Männern überlebt.

Die Spanier waren unehrlich.

Sie brachten englische Kameraden einfach schlecht weg um.

Und so kommt im Grunde genommen je jemand, der eine persönlichen Hass auf die Spanier entwickelt, aus persönlichem Leid dazu,

sich jetzt in den Dienst seiner Königin Elisabeth der Ersten zu stellen.

1577 bricht Drake zu seiner größten Kaperfahrt auf, ob mit oder ohne offiziellen Auftrag der Queen ist bis heute unklar.

Mit 13 ist er zum ersten Mal zur See gefahren.

Doch jetzt führt der Schiffsjunge von damals fünf staatliche Schiffe.

Er kommt aus einfachsten Verhältnissen, hat immer viel riskiert und nur auf seinen eigenen Genie vertraut.

Drake steuert die Westküste Südamerikas an, wo die Spanier am wenigsten mit Überfällen rechnen.

Sein Flaggschiff ist eine mächtige Galeone, 22 meter lang, ein Dreimaster, 60 Mann Besatzung, 18 Kannone.

Ihr Name - "Golden Hind", Goldene Hirschkuh.

Der Höhepunkt des Raubzugs?

20 Tage lang verfolgen sie die spanischen Galeone "Nuestra Señora de la Konzeption".

Auf ihr vermuten die Engländer sagenhafte Schätze.

Getarnt als harmloses Handelsschiff, kommt Drake näher.

Erst ahnen die Spanier nichts, und als sie ihren Irrtum bemerken, ist es zu spät.

Dem Kapitän bleibt nichts anderes übrig als sein Schiff zu übergeben, in der Hoffnung, dass die Besatzung mit dem Leben davonkommt.

Normalerweise wurden Gefangenen damals einfach über Bord geworfen.

Drake hat es nicht gemacht.

Er ließ seine Gefangenen frei, damit sich das umspricht: "Kämpft nicht gegen Drake! Ergibt dich, du bist gut behandelt."

Das Umladen der Beute dauert fünf Tage.

Die "Nuestra Señora de la Konzeption" hat einen ganzen Jahresertrag der Südamerikanischen Gold, Silber und Edelsteine Minen an Bord.

Wie aber soll Drake seinen Schatz sicher zurück nach England bringen?

Voll beladen sind seine Schiffe leicht abzufangen, und in der Magellanstraße warten die Spanier.

Er wagt einen neuen Weg westwärts durch den Pazifik und den Indischen Ozean.

Ein spektakuläres Unternehmen.

Drei Jahre nach seinem Aufbruch kommt er wieder in der Heimat an.

Als zweiter Weltumsegler der Geschichte und mit einer Millionenbeute er kam nach England zurück, legt die ganzen Schätze seiner Königin vor die Füße.

Die war vollauf begeistert.

Auch die Kaufleute waren begeistert, denn sie machten zu ihrem eingesetzten Kapital etwa so ein Gewinn von 4.700.

Mit diesem Geld wird Englands Aufstieg zur Seemacht überhaupt erst möglich.

Die Queen macht Drake zum Ritter.

"Erhebt euch, Sir Francis Drake!"

Und die Briten haben jetzt auch ihren Columbus.

Der Pirat wird als Nationalheld gefeiert.

Er kaufte einen Landsitz bei Plymouth, wird Grossgrundbesitzer und ein geachtetes Mitglied der englischen Oberschicht.

Doch Sir Francis kann die Freibeuterei nicht lassen, plündert weiter entlang bekannter Routen der Spanien.

1596 stirbt Francis Drake in der Karibik an Bord seines Schiffes.

Nicht Heldenhaft im Gefecht, sondern an der Ruhr.

Auch wir Deutschen haben unseren national Piraten.

Die Ostsee im vierzehnten Jahrhundert: ein Tummelplatz für Freibeuter.

Die meisten sind Söldner im Dienst mächtige Herrscher.

Als Lohn winkt ein Teil der Beute.

Weil sie keinen soll, sondern Lebensmittel (Viktualien), bekommen, werden sie Vitalienbrüder genau.

Der berühmteste von ihnen, Klaus Störtebeker.

Die Vitalienbrüder sind diejenigen, die mit eigenen Schiffen unterwegs sind.

Wenn es darum geht, sich zu verdingen bei den Fürsten in Nordeuropa, um mit denen zusammen dann neue Kriege zu führen,

sie sind also Kaperfahrer von Natur.

Von vielen Kaperfahrern sind Namen und Herkunft überliefert.

Doch ausgerechnet eine, Klaus Störtebeker, ist nicht darunter.

Also alles nur Legende?

Eine Zeit lang glaubte man, das ist sein Schädel.

Ein mächtiger Nagel durchbohrt den Kopf, den Archäologen aus dem Hamburger Hafen zogen.

Sie sind sich sicher: das muss der Kopf eines Anführers sein.

Das ganz Besondere ist dieses Loch hier oben,

und wenn man das hier betrachtet, da war ja mal aufgenagelt.

Da ist nicht ein Nagel etwa durch gehauen worden,

sondern man hat dieses Loch geschlagen mit einem Scharfen Werkzeug so rein, und den Knochen weggekippt.

Und dann hat man die Nagel durchgeschoben, also nicht rein geschlagen.

Von daher sagen wir, den wollte man dort ganz besonders lange ausstellen, um abzuschrecken.

Um 1400 hat man in Hamburg viele Piraten hingerichtet und ihre Schädel am Elbufer aufgestellt.

Jeder sollte sehen, wie die Hanse mit Piraten umgehen.

Die Hanse, ein Bündnis reicher Kaufleute und die mächtigste Wirtschaftsorganisation ihrer Zeit.

Viele Städte beteiligen sich am Freihandel der Hanse. Von London bis Novgorod und Lübeck, bis Norwegen.

In Nord und Ostsee transportiert die Hanse ihre Ware.

Doch jetzt sind ihre Schiffe nicht mehr sicher, wird das Meer zum Schlachtfeld.

Es herrscht Krieg zwischen der Königin von Dänemark und dem Herzog von Mecklenburg.

Es geht um die Vorherrschaft im Ostseeraum.

Beide werben Freiwilliger an.

Sie sollen die Schiffe des Gegners überfallen.

Die Vitalienbrüder kämpfen für Mecklenburg.

Unter ihnen angeblich auch Störtebeker.

"Alles klar!"

Sein Schiff, eine Kogge, 20 bis 30 meter lang, nur ein Mast, damals der gebräuchlichste Schiffstyp.

Obwohl nur elf kilometer pro Stunde schnell, sind die Piraten trotzdem noch schneller als die schwer beladenen Handelsschiffe.

Anders als im Spielfilm kämpfen sie aber nicht mit Kanonen.

Es gab ja kaum Feuerwaffen, das heißt, die Artillerie bestand aus Armbrüsten.

Die wurde so von erhöhten Achterkastell und so weiter geschossen, und dann mit Nahkampfwaffen also,

ob es Dolch, ob es Beil, oder sonstiges war.

Das heißt man muss sehr sehr nah herankommen an den Gegner, um ihn dann zu erledigen.

Und da meistens die Handelsschiffe unterbemannt waren.

Da waren 15 bis 20 Personen mal gerade darauf.

Aber auf eine Kaper waren 50 bis 100 bewaffnete, drauf hatten die kaum eine Chance.

1395 schließen Mecklenburg und Dänemark Frieden.

Doch die Vitalienbrüder kapern weiter, jetzt auf eigene Rechnung.

Ihr Stützpunkt wird die Insel Gotland.

Von hier aus legen die Piraten fast den gesamten Ostseehandel der Hanse lahm.

Gotland war die große Hoffnung der Vitalienbrüder.

Sie glaubten nämlich dort eine territoriale Basis einrichten zu können auf Dauer.

Und dann wären sie tatsächlich zu einer Seemacht aufgestiegen.

Doch daraus wird nichts.

Die Hanse ruf dem Deutschen Ritterorden zur Hilfe.

Der räuchert das Piratennest aus.

Wer den frommen Ordensritter in die Hände fällt, wird erschlagen.

Einigen Vitalienbrüdern gelingt die Flucht in die Nordsee, unter ihnen Störtebeker.

Wir wissen, dass er später mit seinen Leuten englische Schiffe in der Nordsee überfallen hat.

Und die Engländer wollten unbedingt Ersatz haben.

Und es gibt eben Klage Akten der Engländer an die Hanse, dass ein Störtebeker wie auch Gödeke Michels dort aufgetreten ist.

Der ist Pirat Störtebeker. Ihr Schlachtruf ist "Gottes Freund und aller Welt Feind".

Angeblich teilen sie ihre Beute brüderlich und so mancher hält sie für eine art Robin Hood der Meere.

Doch was ist Mythos und was Wahrheit?

Kann man nicht mit Robin Hood vergleichen.

Einfach deswegen weil sie nichts für die Armen übrig hatten, oder für die Armen gesammelt haben, sondern sie haben nur eben auf eigene Rechnung verdient.

Sie waren ja selber bitter Arm.

Vor Helgoland kommt es schließlich zur entscheidenden Schlacht.

Die Hanse will den Vitalienbrüdern ein für allemal das Handwerk legen, und schickt eine gewaltige Flotte.

40 Piraten werden getötet, 73 Gefangen genommen.

Ihre letzte Fahrt führt Elbaufwärts nach Hamburg.

Dort wartet der Henker mit dem Richtschwert.

Doch Störtebekers Ende wird der Anfang einer großen Legende.

Jedem Mitgefangenen, an dem der Pirat noch ohne Kopf vorbeilaufen kann, soll das Leben geschenkt werde.

Selbst auf dem Schafott soll er ja noch an vier, fünf, sechs, sieben seiner Kameraden vorbei gelaufen sein.

Das kann nur ein Huhn ohne Kopf.

Ein Mensch ohne Kopf kann nicht mal mehr eine halbe Sekunde überhaupt seinen ganzen Körper aufrecht erhalten.

Und darum hat wohl keiner der Männer überlebt.

Am Richtplatz in Hamburg hat man Störtebeker ein Denkmal gesetzt, auch wenn niemand weiß, ob der Pirat hier wirklich sein Ende fand.

Wir wissen, dass am Grasbrook in Hamburg Piraten geköpft worden, aber ob es sich dabei um Störtebeker,

oder wen auch immer gehandelt haben sollte, das wissen wir nicht.

Der Mythos Störtebeker: wenig Fakten, viel Legende.

Editing, vocabulary and commentary by linguameister.com