Der Ehrliche Abe - Transcript

Mysteriöse Geheimnisse der Geschichte - Abraham Lincoln Dokumentation

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Von den Grenzen der westlichen amerikanischen Siedlungsgebiete kommend betritt er die nationale Bühne.

Der Ehrliche Abe.

Ein einfacher Anwalt, aufrichtig, offenherzig und direkt.

Das ist der Lincoln, den wir kennen, aber das ist nicht die ganze Wahrheit.

Hinter diesen Mythos verbirgt sich ein knallharter politiker, ein geübter Manipulator und cleverer Taktiker, der anderen Menschen seinen Willen aufzwingt.

Sie wissen es nicht, aber sie sind nur Schachfiguren in Lincolns Spiel.

Ein amerikanisches Genie.

Heute kennt jedes amerikanische Schulkind sein Gesicht, seine Herkunft.

Seine größe und seine Ruf sind legendär, aber er ist auch clever und berechnend, kann die Menschen manipulieren und so sein eigenes Image nach seinen Vorstellungen erschaffen.

Ohne diese Fähigkeiten wäre er nie Präsident geworden.

Im Winter 1860 ist Lincoln ein bekannter Anwalt in Springfield, Illinois.

Er hat kein politisches Amt inne, will aber einem kühnen Sprung wagen.

Er will ins Weiße Haus.

Von seiner Partei nominiert zu werden ist nicht einfach.

Im vergleich zu seinen Konkurrenten gilt er als politisches Fliegengewicht.

Lincoln weiß, dass allein das Image zählt.

Als Angestellter eines kleinen Ladens erwirbt er sich den Spitznamen "Ehrlicher Abe", der bezahlt seine Gläubiger, statt sich vor ihnen zu verstecken.

Er macht sich seinen Ruf zu Nutze, um sich als einfacher Rechtschaffener Mann zu präsentieren.

Seine Ehrlichkeit wird sogar in Liedern gepriesen.

Auch wenn dieses Image auf wahren Tatsachen beruht, zeigt es nicht die ganze Wahrheit.

Die die Lincoln besser kennen, nennen ihn nicht "Ehrlicher Abe".

Dieses Bild von sich hat er selber erschaffen.

Die Leute kennen Lincoln als kleinstadt Anwalt, aber in seiner Jugend hat er als Zaunbauer Holz gespalten.

Sein Erfolg beruht auf der allseits bekannten Tatsache, dass er auf dem Land aufgewachsen ist, so stellt man sich gemeinhin als gutherzigen einfachen Holzarbeiter vor.

Dieses Bild ist politisch wirksamer als das von Lincoln der Eisenbahn Anwalt, denn so verdient er eigentlich sein Geld.

Um dieses Bild zu unterstreichen, bringen seine Anhänger Zaunlatten mit in die Kongresshalle.

Lincoln spielt das Spiel mit, obwohl er sich mit diesem Image nicht anfreunden mag.

Die Republikaner drucken tausende Flugblätter, die Lincoln bei der Arbeit zeigen und verteilen sie überall im Land.

Bald kennt jeder Lincoln, und er weiß sehr gut, wie er sich verkaufen muss.

Sein Image wächst und entwickelt sich weiter, genau wie er selbst.

Lincolns Manipulationsfähigkeiten zeigen sich schon früh.

An der Frontier lernt der junge Mann, Leute zu beeinflussen.

Mit 22 Jahren verlässt er sein abgeschiedenes Elternhaus und geht in die Stadt New Salem in Illinois.

Er trifft auf harte Gegner.

Die Bande Clary's Grove Boys sorgt für Ärger in der Stadt.

Die Mitglieder sind die Radaubrüder der Frontier, der Siedlungsgrenze Nordamerikas.

Die Schläger von New Salem wollen den Neuankömmling demütigen.

Sie fordern Lincoln zu einem Ringkampf heraus.

Zuschauer meinen, der Anführer der Bande kämpfe mit unfairen Methoden.

Aber Lincoln gibt nicht auf.

Seine Ausdauer und Kampfbereitschaft beeindruckt die Clary's Grove Boys, und so kommt es, dass er ihre Bewunderung gewinnt.

Zum ersten Mal wird deutlich, welche Überzeugungskraft er auf andere hat.

Zwar verliert er im Kampf, aber er lernt eine wichtige Lektion.

Aus seinen Feinden Verbündete zu machen hat seine Vorteile.

Sie helfen ihm indem sie ihm ihre Stimmen geben und in andere Ortschaften ziehen, um für ihn Wahlwerbung zu machen.

Er gewinnt die ersten Wahlen.

Zunächst als lokaler Politiker, später als Anwalt erkennt Lincoln, wie spielend er mit seinen Worten andere beeinflussen kann.

Er plant seine Zukunft in der Politik.

Seine Ambitionen versteckt er hinter falscher Bescheidenheit.

"Liebe Mitbürger, ich denke sie alle wissen, wer ich bin".

"Ich bin der einfache Abraham Lincoln".

"Wenn ich gewählt werde, bin ich dankbar, wenn nicht, ist es auch gut".

Aber der bescheidene Anwalt ist ein geschickter Prozessgegner im Gerichtssaal.

In einem berühmten Mordprozess zweifelt Lincoln die Aussage des Kronzeugen an mit dem Argument, dass in der Mordnacht der Mond nicht hell genug schien, um irgendetwas gesehen zu haben.

Einer seiner Kollegen sagte, dass man Lincoln nicht für einen einfältigen Mann halten dürfe, sonst würde man schnell im Straßengraben liegen.

1837 geht er im alter von 28 jahren nach Springfield in Illinois.

Dort wickelt er sowohl Wähler als auch Geschworene mit seinen Reden um den Finger.

Aber der junge Lincoln beschränkt sich nicht nur auf seine hoch geistigen rhetorischen Fähigkeiten.

Mit Sarkasmus überrollt er seine politischen Gegner.

Obwohl Lincoln lernt den Willen anderer zu beeinflussen, hat er Probleme damit, sich selbst zu kontrollieren.

Seine Emotionen bekommt er nur schwer in den Griff.

Er leidet unter Depressionen.

Die Vergangenheit verfolgt ihn.

Seine Mutter starb früh an Milch Vergiftung.

Sein Bruder starb im Kindesalter.

Seine Schwester starb bei der Geburt ihres Kindes.

Seine angeblich große Liebe, Ann Rutledge, starb ebenfalls.

Diese Verluste machen ihn anfällig für Depressionen.

Bei späteren Rückschlägen seine politischen Karriere wird er an die frühen Verluste erinnert und den Schmerz, den er dabei empfand.

"Wenn man meinen Schmerz gleichmäßig an die Menschheit verteilen würde, gäbe es kein lachendes Gesicht mehr auf Erden".

1841 verlässt Lincolns bester Freund Springfield, und die Beziehung zu seiner verlobten Mary Todd bröckelt.

Lincoln fällt in eine tiefe Depression.

Ein Freund befürchtet sogar, dass er Selbstmord begehen könnte, und entfernt alle scharfen Gegenstände aus seinem Umfeld.

Aber Lincoln beruhigt ihn.

Er kann noch nicht aus der Welt scheiden, er will erst etwas erreichen, das die Menschen an ihn erinnert.

Lincoln stürzt sich in die Arbeit, um die Depression zu überwinden.

So kann er sich selbst vergessen und sich voll und ganz auf seine Umwelt konzentrieren

1858 versuchte er einen Sitz im Senat von Illinois zu erlangen.

Er weiß, dass es nicht einfach wird.

Doch vor Herausforderungen hat er sich nie gescheut, und so stellt er sich in eine Reihe von Debatten dem Amtsinhaber Stephen Douglas.

Bevor ich anfange lassen sie mich sagen, dass ich keine Vorurteile gegen Südstaatler habe.

Ich denke, werden wir dort geboren, werden wir genauso wie sie.

Lincoln legte eine politische Falle aus.

Er brachte viel bekanntere Politiker dazu mit ihm zusammen in sieben Städten aufzutreten und verhalf sich damit selbst zu mehr Bekanntheit.

Ich verlasse euch in der Hoffnung, dass das Feuer der Freiheit stark in euren Herzen lodern wird. Danke.

Lincolns Vorteil ist seine Arbeitserfahrung im Gericht, aber sein Auftritt ist nicht makellos.

Sein Verhalten bei einer der Debatten ist beunruhigend.

Als Douglas Lincolns Umfrageergebnisse anzweifelt, reagiert dieser voller Zorn.

Er packt einen anderen Abgeordneten im Genick und will die Rücknahme der Anschuldigungen erzwingen.

Und ich will davon nichts mehr hören.

Solche Wutanfälle hatte er relativ oft.

Lincolns Freunden fallen noch andere seltsame Verhaltensweisen auf, wie Zerstreutheit und Schlafprobleme.

Bis heute rätseln viele Historiker über die Diskrepanz zwischen seinem angeblich unendlich, geduldigen Gemüt, und seinem leicht reizbaren Wesen, das für bizarre Zwischenfälle sorgte.

Jahrelang behandelte Lincoln seine Depressionen mit einer im neunzehnten Jahrhundert gebräuchlichen Medizin namens "blue mass".

Um die Wirkung dieser Medizin auf Abraham Lincoln zu verstehen, versuchen Wissenschaftler der Universität Minnesota die Formel aus dem neunzehnten Jahrhundert herzustellen.

Wir haben alte Pharmazie Literatur studiert, um das Rezept für die blauen Pillen zu finden.

Sie setzen sich aus zerstoßenen Süßholzwurzel, Zucker, Rosenwasser und getrockneten Rosenblättern zusammen und der heute undenkbaren Zutat - Quecksilber.

Um herauszufinden welche Mengen Lincoln zu sich genommen hat, mischen die Wissenschaftler die Zutaten zusammen.

Wie die Apotheker im neunzehnten Jahrhundert, formen sie die Pillen mit der Hand.

Man muss wirklich sehr depressiv sein, um so etwas zu nehmen.

Die Forscher wiegen die verschriebene Dosis und machen eine erschreckende Feststellung: Lincoln nahm einen 9000 mal höhere Dosis Quecksilber ein als heute als verträglich eingestuft wird.

Lincoln hat sich vielleicht unwissentlich selbst vergiftet.

Auch er bemerkt die Nebenwirkungen.

Besorgt über seine leichte Reizbarkeit, setzt er die Pillen, die er jahrzehntelang vertrauensvoll geschluckt hat, schließlich ab.

Trotz seiner möglicherweise gesundheitlichen Beeinträchtigung schlägt er sich 1858 in den Debatten mit Stephen Douglas gut.

Auch wenn er es nicht in den Senat schafft, so hat er doch zumindest an Bekanntheit gewonnen.

Lincoln erhält im ganzen Land Anerkennung dafür, dass er sich dem kleinen Riesen gestellt und fast gegen ihn gesiegt hat.

Lincoln weiß genau, dass dies der perfekte Zeitpunkt ist, um im ganzen Land so ansehen zu gelangen.

Die technischen Errungenschaften helfen ihm dabei.

Durch die Stenografie können Journalisten jedes Wort festhalten.

Mittels Telegrafen senden sie ihre Artikel an Redaktionen in hunderten kilometer Entfernung, und mit Dampfbetriebenen Pressen können die Zeitungen in kürzester Zeit in großen Auflagen gedruckt werden, um die steigende Nachfrage zu bewältigen.

Die Debatten befördern Lincoln auf die nationale Bühne.

Über Nacht wird er zum berühmten Politiker.

Er schlägt daraus Kapital, indem er Berichte über die Debatten und eine Kampagnebiografie veröffentlicht.

Auf dem Nominierungsparteitag 1860 tritt er in den Hintergrund und überlässt seinen Helfern die Arbeit.

Sie benutzten gefälschte Eintrittskarten, um den Saal mit seinen Anhängern zu füllen und führen Verhandlungen im Hintergrund, um seine Nominierung sicher zu stellen.

Er konnte im Nachhinein sagen: "Ich habe mit dem Ganzen nichts zu tun".

Er hatte eine weiße Weste.

Er musste es ja abstreiten.

Lincoln, der drei Jahre zuvor noch ein niemand war, geht als Sieger hervor, nachdem er seine politischen Fähigkeiten beeindruckend demonstriert hat.

Sein ehrenwerte Ruf und seine cleveren Wahlhelfer machen die Nominierung der Republikaner fest.

Aber als sein Bild auf dem Parteitag hochgezogen wird, fallen die Reaktionen unerwartet aus.

Plötzlich erstirbt der Jubel.

Es ist als würde man im Kino den Ton abschalten.

Jeder im Saal dachte sich: "Was ist das? Ist dass der Typ, den wir nominiert haben?"

Das Bild verschwand wieder.

Niemals hat ein Bild eine Menschenmenge so erstarren lassen.

Auf manchen Fotos sieht Lincoln eher aus wie ein verrückter Trapper als ein Präsidentschaftskandidat.

Auch ihm entgeht das nicht.

Beim ersten Treffen musste seine Erscheinung bei jedem einen gewissen Eindruck hinterlassen.

Er wirkte unbeholfen, klumpp, hart und rau.

Von so einem konnte man nicht viel erwarten.

Er musste aus der Provinz kommen.

Aber Lincoln nutzt diese Schwäche zu seinen Gunsten aus.

Die Fotografie steckt zwar 1860 noch in den Kinderschuhen, aber er erkennt die Macht dieses neuen Mediums.

Er besucht das Studio des berühmten Fotografen Matthew Brady.

Viele der früheren Fotografien zeigten die Falten, Leberflecken und Runzeln und all das.

Brady fotografierte mit größerem Abstand, um Lincolns Körperbau und Statur hervorzuheben.

In letzter Sekunde schlug er Lincoln vor: "Klappen Sie ihren Kragen hoch!"

Lincoln antwortete: "Sie wollen also meinen Hals kürzer machen?"

Als Lincoln also seinen Kragen hoch klappte, drückte Brady auf den Auslöser.

Das Ergebnis ist überzeugend.

Es ist würdevoll und herrschaftlich, und strahlt Zuversicht aus.

Für Lincolns Kampagne wird das Bild vervielfältigt und überall verbreitet.

Mit diesem Bild wurde Abraham Lincoln 1860 überall bekannt.

Es war farbenfroh kassierte.

Seine Marken und seine frisur war in Ordnung, und Falten waren nicht zu sehen.

Sein Foto wurde retuschiert, ohne das damals jemand wusste, was das überhaupt war.

Diese Bilder sind für seine Kandidatur äußerst wichtig.

In den letzten Wochen vor der Wahl hält er keine Reden, sondern posiert für Fotografen und Bildhauer, wann immer sich ihm die Gelegenheit bietet.

Sein alter Rivale Stephen Douglas hingegen geht auf Stimmenfang. Ein schwerer Fehler.

Im neunzehnten Jahrhundert gilt dieses Vorgehen eher als verzweifelt.

Stephen Douglas wurde dafür verspottet.

Lincoln gewann die Stimmen durch seine Foto Kampagne.

Aus dem Schatten heraus tritt Lincoln das höchste Amt im Land an.

Am 4 März 1861 wird der Zaunbauer als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt.

Aber er arbeitet weiter an seinem Image.

Es ist kein Zufall, dass von Lincoln über 130 Fotos gemacht werden, weitaus mehr als von jeder anderen Persönlichkeit seiner Zeit.

Als er Präsident ist, vollendet er sein Werk.

Er lässt sich einen Bart wachsen, um seine rauen Gesichtszüge zu verbergen.

Aber eine öffentliche Persönlichkeit zu erschaffen, ist ein zweischneidiges Schwert.

Für die Presse ist es ein leichtes, seinen Ruf zu schädigen, und während seine Antrittsreise von Springfield nach Washington, bekommt sie Gelegenheit dazu.

Je näher er Washington kam, desto lauter wurden die Gerüchte, dass ein Mordanschlag auf ihn geplant sei.

Als er Philadelphia erreichte, brodelten die Spekulationen über den Anschlag.

Der berühmte Detektiv, Allan Pinkerton, empfiehlt ihm, sich bedeckt zu halten, aber Lincoln will nicht als Feigling dastehen.

Dennoch ist die Bedrohung ernst.

Um in die Hauptstadt zu gelangen, muss Lincoln in Baltimore umsteigen.

Der Hochburg der Südstaaten Sympathisanten, es ist der perfekte Ort für einen Hinterhalt.

Während des Umstiegs wäre Lincoln Unruhen, Pöbeleien, und sogar einem Anschlag ausgeliefert gewesen.

Lincoln erfährt von dem geplanten Anschlag auf ihn.

Er will seinen Zeitplan ungern ändern, doch seine Berater bleiben hartnäckig.

Schließlich willigte er einen den Nachtzug zu nehmen, und im Schutz der Dunkelheit und unter falschem Namen zu reisen.

Lincoln entscheidet sich für eine geheime Reise mit Täuschung, Geheimagenten und einem gefährlichen Trick.

Während seine Antrittsreise hört Lincoln die Gerüchte über einen geplanten Anschlag auf ihn in Baltimore.

In Pennsylvania ändert er deshalb seine Reisepläne.

Er fährt von nun an in geheimen Nachtzügen.

Als sie sich Baltimore nähern, treffen er und sein bodyguards sich mit Allen Pinkerton.

Lincoln tauscht seinen gewohnten Zylinder gegen eine Mütze und einen Schal ein.

Ihm wird sogar eine Waffe angeboten, doch er lehnt ab.

Stattdessen folgt er Pinkerton in Waggon, um die Zeit zu überbrücken.

Kurz bevor der Zug abfahren soll treffen sie eine Frau, die vorgibt Lincolns Schwester zu sein.

In Wirklichkeit ist sie eine Mitarbeiterin Pinkertons, die ihr Versteck bewachen sollte.

Dem Schaffner wird schließlich ein Paket übergeben, welches er nach Washington bringen soll.

Er ahnt nicht, dass er eigentlich den Präsidenten befördern soll.

Lincoln erreicht Washington körperlich unversehrt, aber politisch trägt er Wunden davon.

Die Zeitungen stürzten sich auf die Geschichte wie die Geier.

Sie verhöhnten ihn. "Wovor hat Lincoln denn Angst?"

"Was für ein Angsthase!"

Sein Ruf ist schwerer beschädigt als er befürchtet hatte.

Mit hämischen Karikaturen macht man sich über sein Verhalten und seine Tarnung lustig.

Auf einigen ist er sogar mit Frauenkleidern dargestellt.

Daraufhin beschloss Lincoln für sich denn, dass er sich nie wieder Angst einreden und zum Gespött machen lassen wollte aufgrund irgendeines Verdachts.

Das öffentliche Ansehen ist alles.

Genießt man es, ist alles möglich.

Hat man es nicht, gelingt auch nichts.

Obwohl Lincoln von der Presse attackiert wird, merkt er doch wie wichtig sie ist.

Er versucht sie für sich zu gewinnen.

Er wusste um ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung, und er manipulierte sie genau so clever wie er die Kongressmitglieder manipulierte.

Lincoln freundet sich mit Reportern und Herausgebern an.

Der verbringt Zeit in den Zeitungsredaktionen.

Er schreibt sogar hin und wieder Artikel unter einem Pseudonym.

Nach einer Rede in Springfield gibt er einem Journalisten eine Kopie davon und folgt ihm sogar in sein Büro, um den fertigen Artikel noch einmal auf Fehler zu überprüfen.

Als er Präsident wird, trifft Lincoln eine clevere Entscheidung.

Bisher hat jede neue Regierung eine Zeitung auserwählt, die ihr als Sprachrohr dienen soll.

Lincoln bricht mit dieser Tradition und führt das White House Press Corps ein.

Er wollte, dass die Journalisten um Informationen und seine Gunst kämpfen.

Während des Bürgerkrieges greift Lincoln zu noch drastischeren Mitteln, um die Presse zu kontrollieren.

Als die Herausgeber der Zeitungen aus dem Norden und vorteilhafte Reportagen über den Krieg abdrucken, lässt er sie verhaften.

Lincoln weiß, dass das illegal ist, aber er argumentiert das "ungewöhnliche Zeiten ungewöhnliche Maßnahmen erfordern".

"Muss ich einen einfachen jungen Soldaten desertiert erschießen während ich demjenigen der ihn hinterlistig dazu anstiftete kein Haar krümmen darf?"

Lincoln greift jedoch nur selten zu derart drastischen Mitteln.

Meist geht er sehr feinfühlig vor.

Er ist ein Meister der subtilen Beeinflussung anderer politiker, und das ist sein Vorteil, denn von ihnen wird er unterschätzt.

Man hält ihn nur für einen ungebildeten Mann von der Grenze.

Diese Taktik trug zu seinem Erfolg bei den Wahlen bei, aber sie narrte auch die Unsicherheiten, Zweifel und sogar Feindseligkeiten bei seinem republikanischen Kollegen.

Viele kämpften gegen seine Nominierung und fühlen immer noch den Schmerz der Niederlage.

Anstatt seine Feinde zu ignorieren, entwaffnet Lincoln sich mit einer brillanten Taktik: der beruft sie in sein Kabinett.

Lincoln hatte gute Gründe dafür.

Er wusste, dass alle Fraktionen, sowohl die gemäßigten als auch die radikalen, und die konservativen vertreten sein mussten, wenn er die Partei vereinen wollte.

Lincoln zeigte dabei eine menge Selbstvertrauen, denn er wusste, dass einige Leute ihn als geringwertiger ansah, und kaum würdigt das Präsidentenamt inne zu haben.

Zwei seiner Entscheidungen sind besonders eigensinnig.

Er ernennt Salmon Chase zum Finanzminister und William Seward zum Außenminister.

Seward hält nicht viel von Lincoln und gibt das auch offen zu.

Rücktritt - resignation

"Enttäuscht? Sie sind enttäuscht?"

Seward rief erzürnt: "Ich, der die republikanische Partei gegründet hat, der jahrelang ihr intellektueller Führer war, muss mich von diesem hinterwäldler Anwalt aus Illinois übergehen lassen!"

"Enttäuscht."

Seward kann Lincoln nicht leiden, doch noch mehr missachtet er Salmon Chase.

Als er hört, dass sein Erzrivale auch ins Kabinett berufen wurde.

Wie in dieser Notiz steht, ist er so verärgert, dass er seinen Rücktritt erklärt.

Lincoln will das nicht akzeptieren.

"Mr. Seward, Sie sind ein talentierter und fähiger Mann".

Er macht Seward zu einem seiner engsten Verbündeten.

"Ich möchte, dass Sie dieses Amt ausüben, denn ich brauche ihre Fähigkeiten".

Lincoln drängte ihn sanft aber bestimmt in sein Amt.

Letztendlich arbeitet er mit Lincoln zusammen und sie wurden gute Freunde.

Lincoln subtile Manipulationsfähigkeiten halten sein Kabinett zusammen, aber diese Fähigkeiten müssen einen noch härteren Test bestehen: den BürgerKrieg.

Winter 1860. Das Land gleicht einem Pulverfass.

Ein Krieg bahnt sich an.

Viele halten Lincoln für unfähig mit dieser schwierigen Situation umzugehen.

Wieder wird er von seinen Kritikern unterschätzt.

Bereits bei seiner Antrittsrede hat Lincoln die Spielregeln festgelegt.

Wichtig war es den Weg dafür zu bereiten, dass im Falle eines Krieges der Süden den Norden angreift.

"In euren Händen meine unzufriedenen Landsleute, nicht in den Beinen liegt die folgenschwere Entscheidung über einen BürgerKrieg".

Lincoln weiß, wer den ersten Schuss abgibt, gilt als Angreifer und verliert die Unterstützung der Bevölkerung.

Der Druck wächst nach der Sezession South Carolina von der Union.

Als Reaktion darauf haben sich die Unionstruppen nach Fort Sumter, eine künstliche Insel an der Küste zurückgezogen.

Den Anführern der Konföderation passt das nicht.

Sie meinen, dass ihnen das Fort gehört.

Lincoln wusste, dass Fort Sumter umkämpft sein würde.

Er beharrte darauf, dass Fort Sumter Eigentum der Union sei.

Die South Carolina war das ein Dorn im Auge

Das Militär aus Carolina belagert das Fort und hält dutzende Soldaten der Union Gefangen.

Nach mehreren Beratungen schlägt Lincolns Kabinett ihm zwei Möglichkeiten vor.

Die Entsendung von Truppen zur Verteidigung des Forts, aber dies könnte die Grenzstaaten, Delaware, Maryland, Kentucky und Missouri in die Konföderation drängen.

Und zur Verteidigung Samters müssten weitere Truppen eingesetzt werden, um die umgebenden Gebiete zu sichern.

Wie viele Soldaten würde er brauchen?

General Winfield Scott schätzte zwischen 20 und 30 tausend.

Wie sollte er die auftreiben?

In der gesamten US Armee gab bis 1861 gerade einmal 16 tausend Soldaten.

Aber die Alternative ist nicht viel besser.

Sie würde ihn schwach erscheinen lassen.

Lincoln könnte den Konföderierten Fort Sumter überlassen und seine Truppen abziehen, aber das wäre ein Desaster für seine Regierung.

Es würde bedeuten, dass er bei der ersten Auseinandersetzung vor den Konföderierten kapituliert.

Lincoln sieht noch eine dritte Möglichkeit.

Er entscheidet sich nicht Waffen und Soldaten zu schicken, sondern Verpflegung und Ausrüstung.

Ein langer Atem bei der Belagerung könnte den Rezessionsstaaten den Wind aus den Segeln nehmen.

Nun stehen auch die Konföderierten unter Druck.

Wenn man sich entscheidet einzugreifen, muss man es schnell machen.

Bevor das nächste Versorgungsschiff ankommt, muss die Artillerie Fort Sumter erobert haben.

Wie von Lincoln vorausgesehen, eröffnet South Carolina das Feuer auf Fort Sumter.

Schon bald ist es in den Händen der Konföderierten.

Auch wenn Lincoln die Garnison verloren hat, so hat er erreicht, dass die Grenzstaaten neutral bleiben und sich die Unterstützung des Nordens gesichert.

Lincoln brauchte 75.000 freiwillige Soldaten.

Er wurde überrollt!

Es meldeten sich weit mehr als 75.000 Freiwilliger.

Da der Krieg von den Südstaaten begonnen wurde, hat er zumindest moralisch die Oberhand.

"Es wird kein Blutvergießen geben, solange die Regierung nicht dazu gedrängt, und selbst dann wird dies nur aus Gründen der Selbstverteidigung geschehen."

Aber die Koordinierung des Militärs ist schwerer als er denkt.

Lincolns Autorität wird von den Kommandeuren angezweifelt, besonders von general George McClellan.

Zu Beginn des Krieges hatte Lincoln ihn zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt.

Ihre Beziehung war zunächst gut, verschlechterte sich jedoch rapide.

McClellan fand eine demoralisierte geschlagene Unionsarmee vor.

Aber er brachte sie auf Vordermann und steigerte ihre Moral.

Als Heerführer erwies er sich jedoch als zu zögerlich.

McClellans Unsicherheit auf dem Schlachtfeld strapaziert Lincolns Geduld.

Monatelang drängt er den General zu mehr Aggressivität.

Selbst nach einem hart erkämpften Sieg in der Schlacht am Antietam weigert sich McClellan, die Truppen nicht zu verfolgen.

Der begründet die Verzögerung mit seiner erschöpften Kavallerie.

Lincoln telegrafierte: "Was haben die Pferde denn gemacht, dass sie so müde sind?"

Doch statt Lincolns Forderungen nachzukommen, zeigt McClellan dem Präsidenten erneut die kalte Schulter.

Wenn Lincoln ihn besuchte, kümmerte er sich nicht weiter darum.

Er ließ ihn wissen, er sei gerade beim Frühstück.

Immer wieder ließ McClellan Lincoln seine Geringschätzung spüren.

Nur wenige Politiker würden das zulassen.

Doch Lincoln zieht Logik Emotionen vor.

Er zügelt seine Wut und überwindet seinen Stolz.

Zu diesem Zeitpunkt ist es klüger, das Ganze nicht zu persönlich zu nehmen.

"Alles was ich von General McClellan verlangen ist ein Sieg, und wenn das Pferd noch etwas Ruhe braucht, so halte ich gerne die Zügel."

Lincoln nahm die Dinge nicht persönlich und konnte deshalb den Norden und die Republikaner zusammenhalten.

Dieser Zusammenhalt war der Schlüssel zum Erfolg der Nordstaaten.

Lincoln ist ein Meister darin, die Strippen im Hintergrund ziehen.

Aber um die Union aufrecht zu erhalten, muss er aus dem Hintergrund heraustreten.

1862 verleitet ihn das Streben nach Kontrolle zu etwas, das seine Berater schockiert.

Der Präsident übernimmt den Oberbefehl über die Truppen.

Früh 1862 der Krieg verläuft nicht zugunsten Lincolns.

Was als kurzes Gefecht gedacht war dauert nun schon über ein Jahr an, und die Meldungen verschlechtern sich.

Das Konföderierten Panzerschiff Merrimack hat im Hafen von Norfolk die Flotte der Union zerstört.

Lincoln sieht keine andere Möglichkeit als die Befehlsgewalt über die kämpfenden Truppen zu übernehmen.

Er sagte mal, wenn McClellan keine bestimmte Verwendung für die Armee hätte, er sie sich gerne ausleihen würde.

Niemand nimmt Lincoln ernst, aber seine Reise an die Front ist kein Scherz.

Wenn es sein muss, wird Lincoln jeden noch so kleinen Zug akribisch planen.

"Ich glaube, es ist am besten, wenn wir Flankieren."

Er hatte keine Geduld mehr mit McClellan.

Er war unzufrieden mit den schleppenden Vorstößen seiner Armee und entschied sich deshalb selbst General zu spielen, oder, wie in diesem Fall, Admiral.

Lincoln beorderte Schiffanlegenpunkte in der Nähe von Norfolk auszuspähen.

Er will einen wichtigen Marinestützpunkt zurückerobern.

Als ein geeigneter Anlegeplatz gefunden ist, drängt er seine Generäle zum Angriff.

Auf den Hafen von Norfolk McClellan hatte die Truppenstärke des Feindes überschätzt.

Die zahlenmäßig, unterlegenen Konföderierten Truppen ziehen sich zurück und bescheren Lincoln einen großen Sieg.

Durch Lincolns brillanten Schachzug für den Norfolk Eingenommen und die Merrimack versenkt, die beteiligten Soldaten und Matrosen sagten, dass das nur durch Lincolns entschlossenes Handeln möglich war.

Lincoln war also nicht mehr nur ein gewiefter Politiker, sondern auch ein Militärstratege.

Doch seine Offiziere sind erschüttert über seine fehlende Ausbildung.

Seine Gegner aus dem Süden sind hervorragende Kriegstaktiker.

Der Präsident der Konföderierten, Jefferson Davis, hat sehr gute Qualifikationen.

Jefferson Davis hatte die Militärakademie in West Point besucht und war als Held aus dem mexikanisch-amerikanischen Krieg hervorgegangen.

Lincoln konnte keine solchen Erfolge vorweisen.

Lincoln erkennt schnell, dass es ihm an Wissen über Militärstrategien mangelt.

Er wendet die gleiche Methode an, nachdem er bereits die Rechtswissenschaften studierte.

Er studiert Bücher.

In der Kongressbibliothek las er Bücher und wusste danach genau so viel über Kriegsstrategien, wie jemand, der ein West Point gewesen war.

Er will sein neu erlangte Wissen schnell ausprobieren.

In einem Brief an seine Generäle legt er seine Überlegungen da.

Während der Norden über eine grössere Armee und Marine verfügt hat, der Süden eine bessere Infrastruktur und kann dadurch seine Truppen schnell bewegen und den Norden ausmanövrieren.

Lincoln wiegt die beiden Staaten gegeneinander ab und plant danach das weitere Vorgehen.

"Wir werden scheitern, es sei denn, wir nutzen unseren Vorteil voll aus, und das schaffen wir indem wir unser Truppen Überlegenheit an verschiedenen Punkten einsetzen und zwar gleichzeitig".

Beim zeitgleichen Angriffe im Osten und im Westen fehlt den Konföderierten die Zeit ihre Truppen zu verlagern.

Lincolns Überlegungen überzeugen die Generäle jedoch nicht.

Lincoln fand schließlich Generäle, die seiner Taktik folgen wollten.

Als Grant, Schirmen, Sheridan und Thomas an allen Fronten den Druck erhöhten, sagte Lincoln: "Endlich wird der Rat, den ich meinen Generälen seit zweieinhalb Jahren gebe in die Tat umgesetzt".

1864 ist das Land Blutgetränkt in den Farben der Soldaten, blau und grau.

der Krieg wird bis zu seinem Ende fast 620.000 Leben fordern.

Nach jahrelangen Kämpfen steht Lincoln unter enormen Druck, die schrecklichen Opfer und das Blutvergießen zu rechtfertigen.

Gegner der Sklaverei fordern lautstark dem Krieg ein moralisches ziel zu geben.

Aber Lincoln ist besorgt darüber, was die Befreiung der Sklaven für seine Armee bedeuten würde.

Seine Generäle raten davon ab.

General McClallen erklärte Lincoln unumwunden, dass weiße Männer nicht für die Befreiung von Schwarzen kämpfen würden.

Sollte dieser Krieg zu einem Krieg gegen die Sklaverei werden, würden sich die nördlichen Armeen über Nacht auflösen.

Lincoln steckt in der Zwickmühle.

Er braucht die Unterstützung der Schwarzen im Krieg.

Doch eine Befreiung der Sklaven könnte den Verlust weiße Soldaten bedeuten.

Er hütet sich deshalb seine Absichten zu offenbaren.

Während er öffentlich verkündet keine Gleichberechtigung anzustreben, formuliert eher im Hintergrund bereits die Emanzipations Erklärung.

Doch vor dem nächsten Schritt wertet Lincoln auf einen Sieg der Union

Als er seinen Plan offenlegt, betont er dessen praktischen Nutzen.

Die Proklamation soll nur die Sklaven in den Konföderierten Staaten befreien.

Dies reduziert deren Arbeitskräfte und bringt der Union 200.000 schwarze Rekruten.

Gleichzeitig hat Lincoln eine neue Rechtfertigung für das Blutvergiessen>.

Er überzeugte die Menschen davon, dass der Krieg noch einen weiteren Nutzen hatte.

Die Union bedeutet Freiheit.

Um diese Freiheit würde die Union bewahren.

Alle Menschen haben das Recht auf Gleichheit

In diesem Kampf ist unsere Regierungsform, und die Wahrung der Menschenrechte in Gefahr sollten unsere Feinde siegen.

Über Nacht definierte Lincoln den Krieg neu.

Auf einmal war es ein Krieg um die Menschenrechte.

Lincoln gibt dem Krieg einen neuen Sinn.

Als sich die Kämpfe verstärken, bleibt er weiterhin Oberbefehlshaber, aber immer wieder zeigt sich sein Mangel an Erfahrung.

Als die Kämpfe Washington erreichen, begeht er einen schwerwiegenden Fehler.

Elfter Juli 1864 Ein Stoßtrupp der Konföderierten nähert sich dem Stadtrand von Washington.

Bei Fort Stevens kommt es zu Gefechten mit Unionstruppen.

Da General Grant im Süden kämpft, beschließt Lincoln die Schlacht selbst zu überwachen.

Versehentlich gerät er direkt in die Schusslinie.

Lincoln wollte das Kampfgeschehen aus nächster nähe beobachten.

Er sah, wie sich die Konföderierten Truppen näherten, und die Unionstruppen ihnen Widerstand boten.

Lincoln ist von der Schlacht so fasziniert, dass er die Gefahr ignoriert.

Auf dem Wall ist er ein gutes Ziel für Konferierte Scharfschützen.

Zu dem Zeitpunkt wusste jeder, wer Abraham Lincoln ist, und wie er aussieht.

Er war das hochgewachsene Ziel in den Vereinigten Staaten.

Es gibt immer mehr Verwundete, aber Lincoln bleibt stehen.

Ein Offizier der Sechsten Armeecorps schrie Lincoln an: "Runter mit Ihnen, sonst werden Sie erschossen!"

Lincoln bringt sich in Sicherheit.

Wie durch ein Wunder bleibt er unversehrt.

Auch wenn viele seine Urteilsfähigkeit anzweifeln, niemand zweifelt an seinem Mut.

Am nächsten Tag leistet er moralische Unterstützung: "Meine Herren ich danke ihnen für ihren Dienst".

Es bewies, dass Lincoln keine Angst vor Verletzungen hatte, und außerdem sehr interessiert an Kriegsgeschehen war.

Sein Engagement zahlt sich auch politisch aus.

1864 ist das Land Kriegsmüde, und Lincolns Chance wiedergewählt zu werden ist gering.

Er tritt gegen den ehemaligen General der Armee George McClellan an.

Überraschenderweise stimmen die Soldaten mehrheitlich für Lincoln.

Die Soldaten wussten seine Bemühungen zu schätzen: Er war auf ihrer Seite.

"Wenn ihnen irgendetwas nicht passte", sagten sie, "wenn Vater Abraham das herausfindet, wird er es richten".

Lincoln wird seinem Väterlichen Image gerecht.

Er identifiziert sich mit den Truppen, denn sie haben die gleiche bescheidene Herkunft.

Doch das macht die vielen Opfer umso schwerer zu ertragen.

Die Soldaten wissen ihrerseits, dass er ihr Leid teilt.

Auch körperlich verlangt der Krieg ihm einiges ab.

In nur wenigen Monaten verliert er dramatisch an Gewicht.

Er sah aus wie jemand, der das Gemetzel und das Leid des Krieges mit sich herumschleppte, mehr so aus wie eine lebende Leiche.

"Wenn der Krieg zu Ende ist, wie immer er auch ausgehen mag, werde ich nicht mehr lange leben".

"Die Blüte meines Lebens habe ich längst überschritten".

Lincoln spürt, dass ihm nur noch wenig Zeit bleibt.

In den letzten verbleibenden Monaten nutzt er seinen Einfluss noch einmal voll aus.

Er weiß, dass die Emanzipationserklärung auf wackeligen Füßen steht.

Deshalb verbietet er die Sklaverei mittels einer Verfassungsänderung.

Leute, die eigentlich gegen den dreizehnten Zusatzartike waren, entschieden sich plötzlich dafür, oder enthielten sich.

Und der Mann, der im Hintergrund die Strippen zog, war der einfache intelligente Power: Abraham Lincoln.

Doch Lincolns Tage sind gezählt.

Am 14 April 1865 wird er ermordet.

Nach seinem Tod verfestigt sich das von ihm selbst geschaffene Bild in den Köpfen.

Der junge Lincoln entspricht am ehesten unserem Bild eines ungehobelten, kämpferischen Demokraten aus den Grenzgebieten.

Es ist ein sehr ansprechendes Bild und bringt ihn uns näher.

Aber der wahre Lincoln bleibt ein Rätsel.

Er war klüger, schlauer und manipulativer als die Geschichte es darstellt.

Fast unbemerkt kamen Menschen seinem Willen nach.

Er war so geschickt, dass wir erst jetzt sein Vorgehen begreifen.

Sein größter Trick bestand darin, seine Talente zu verwalten, und sich als einen einfachen, bescheidenen Mann aus der Prärie zu verkaufen.

Lincoln wusste, wie er seine Intelligenz und seine Wirkung auf die Leute ausnutzen konnte.

Er wurde unterschätzt und er unternahm nichts dagegen.